Astronomen


 

Porträt Claudius Ptolemaios

Claudius Ptolemaios. FBG, Math 2° 38/1a, Kupfertitel (Ausschnitt).

Claudius Ptolemaios (ca. 100–ca.180 n. Chr.)
Ptolemai0s war ein bedeutender Kartograf, Geograf und Astronom. Er lebte und wirkte in Alexandria, wo er in der Museumsbibliothek arbeitete. Seine Hauptwerke sind die Mathematike Syntaxis (Erstdruck: 1496) und das kartografische Werk Geographike Hyphegesis (Erstdruck: 1475/77). In Mathematike Syntaxis vertritt er die Lehre des geozentrischen Weltmodells, dessen Anfänge bereits bei Aristoteles (384–322 v. Chr.) liegen und das nahezu 1.200 Jahre vorherrschen soll. Nach dieser Idee steht die Erde im Zentrum des Universums und die Sonne sowie andere Planeten drehen sich um die Erde. An diesem geozentrischen Weltmodell wird erst im 16. Jahrhundert mit Copernicus‘ heliozentrischem Weltbild ernsthaft gerüttelt.

 


 

Porträt Copernicus

Nicolaus Copernicus. FBG, Biogr-8-00738-02_288.

Nicolaus Copernicus (1473–1543)
Copernicus war ein polnischer Mathematiker, Astronom, Mediziner und Rechtswissenschaftler. Er wurde am 19. Februar 1473 in Thorn geboren und studierte von 1491 bis 1494 an der Universität Krakau, ehe er 1495 durch Vermittlung seines Onkels Lucas Watzenrode, der sich seit dem frühen Tod des Vaters von Copernicus um dessen schulische und berufliche Ausbildung kümmerte, zum Kanoniker der ermländischen Domschule in Frauenburg ernannt wurde. Bei einem anschließenden Studium der Freien Künste sowie beider Rechte in Bologna erweiterte Copernicus seinen Wissenshorizont. Von dem Mathematiker und Astronom Domenico Maria da Novara (1454–1504) lernte er neue Theorien zur Planetenbewegung kennen, die seinen Zweifel am geozentrischen Weltmodell genährt haben dürften. Nach einem kurzen Aufenthalt in Rom und Frauenburg studierte Copernicus seit 1501 in Padua Medizin und promovierte schließlich 1503 in Ferrara zum Doktor des Kirchenrechts. Anschließend kehrte er nach Frauenburg zurück, wo er Zeit seines Lebens am Domkapitel als Administrator und daneben als Mediziner wirkte.

Copernicus setzte sich intensiv mit dem ptolemaiischen Weltmodell auseinander und machte sich Gedanken über ein Weltsystem, das seit der Antike nur vereinzelt von Gelehrten vertreten worden ist – das heliozentrische. Sein Hauptwerk Sechs Bücher über die Umläufe der Himmelskreise markiert einen Wendepunkt in der Wissenschaftsgeschichte. Darin hält Copernicus zwei Hauptthesen fest: 1. Nicht die Erde, sondern die Sonne bildet das Zentrum des Universums. 2. Die Erde steht nicht still, sondern bewegt sich um die eigene Achse sowie um die Sonne. Diese Ideen waren in dieser Zeit jedoch nicht nur unvereinbar mit der Bibel, sie widersprachen auch der Wahrnehmung und konnten sich deshalb zu Copernicus‘ Lebzeiten nicht durchsetzen. Daran hat wohl auch Martin Luther seinen Teil, der offen seinen Zweifel gegenüber dem copernicanischen Weltmodell äußerte.

 


 

Porträt von Tycho Brahe

Tycho Brahe. FBG, Memb-I-00110_001v.

Tycho Brahe (1546–1601)
Eigentlich darf man selbst nicht zu viel nachdenken über dieses unendliche schwarze Nichts, das die Erde umgibt, in dem unterschiedliche Himmelskörper scheinbar schwerelos „hängen“ und sich in vorgegebenen Bahnen bewegen. Zumindest kommt man als Laie nur zu unbefriedigenden Ergebnissen und stößt dabei schnell an die Grenzen seiner Vorstellungskraft. Es ist also unseren Vorfahren nicht zu verdenken, dass sie seit Anbeginn der Zeit versucht haben, sich mit Himmelsbeobachtungen, Glauben und viel Fantasie das große Ganze zu erklären: die Welt als flache Scheibe, die in einem Ozean schwimmt oder von Elefanten und einer Schildkröte getragen wird; ein Weltenberg als Zentrum der Erde; eine Erdkugel im Zentrum eines Planetensystems – mit einer Sonne, die sich um die Erde dreht, mit Wandelsternen, die an Kristallschalen befestigt sind, damit sie nicht vom Himmel fallen, und Fixsternen, die auf einer eigenen Kristallschale um die Erde kreisen. Aber egal wie fern uns diese – aus jetziger Sicht überholten – Erklärungsversuche heute auch sind, hinter ihnen steckten immer helle Geister, die das bis dahin Überlieferte nicht einfach so akzeptierten, die verstehen wollten und sich mit den ihnen damals zur Verfügung stehenden Mitteln ganz und gar der Beobachtung des Himmelsspektakels verschrieben. Einer davon war der 1546 in Dänemark geborene Astronom Tycho Brahe, von dem die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt eine bedeutende Sammlung an Handschriften und Alten Drucken, zum Teil mit persönlichen Widmungen des Verfassers, bewahrt. Zu Lebzeiten berühmt und berüchtigt, ist sein Name heute weit weniger geläufig als etwa der von Nicolaus Copernicus, Galileo Galilei oder seines Mitarbeiters Johannes Kepler. Dabei waren seine astronomischen Beobachtungen grundlegend für die folgenden Generationen von Himmelskundlern. weiterlesen

 


 

Porträt Galilei

Galileo Galilei. FBG, Math-4-00011-01-01.

Galileo Galilei (1564–1642)
Nachdem der in Pisa am 15. Februar 1564 geborene Galileo Galilei seine erste Schulausbildung als Novize in einem Kloster der Vallombrosaner erhielt, begann er 1580 auf Wunsch seines Vaters mit einem Studium der Medizin in seiner Heimatstatt. Nach vier Jahren begann er jedoch ein Studium der Mathematik in Florenz, das seinen Neigungen besser entsprach. Hier beschäftigte er sich mit angewandter Mathematik, entwickelte eigene Instrumente zur Mechanik und Hydraulik und veröffentlichte erste Ergebnisse zur Schwere fester Körper. In Pisa erhielt 1589 seine erste Anstellung als Mathematiklehrer. Bereits 1592 wurde er nach Padua als Professor für Mathematik berufen, wo er bis 1610 wirkte. Hier, im Zentrum des Renaissance-Aristotelismus, verstärkten sich seine Einwände gegen das geozentrische System, insbesondere als er 1604 eine Supernova beobachtete. Nachdem Galilei 1609 von der Erfindung des Fernrohrs Kenntnis erhalten hatte, konstruierte er mit großem Erfolg selbst welche, die er gewinnbringend verkaufte. Als einer der ersten richtete er sie selbst in den Himmel, und hier ging ihm buchstäblich ein neuer Kosmos auf. Er sah die zerklüftete Landschaft des Mondes, er sah die vier Jupitermonde, er sah die Sonnenflecken, die auf Bewegung und Veränderung hindeuteten. Seit 1610 als Hofmathematiker in Florenz tätig, konnte er sich in den nächsten Jahren ganz seinen astronomisch-physikalischen Studien widmen. Diese Ruhe wurde 1616 abrupt unterbrochen, als die römische Inquisitionsbehörde unter Kardinal Roberto Bellarmin (1542–1621) auch gegen Galileo Vorermittlungen durchführte. Ihm wurde nahegelegt, dass heliozentrische Modell nur als eine mathematische Hypothese zu vertreten, die keinen Wahrheitsanspruch enthalte. Als Galileo 1632 seinen Dialogo veröffentlichte geriet er zum zweiten Mal in Konflikt mit der katholischen Kirche. Sie zwang ihn zum Widerruf seiner kopernikanischen Ansichten. Auch stand er die nachfolgenden Jahre bis zu seinem Tod am 8. Januar 1642 unter Hausarrest.

 


 

Selbstporträt Johannes Kepler

Selbstporträt Johannes Kepler. FBG, Math-2-00050-02, Kupfertitel (Ausschnitt).

Johannes Kepler (1571–1630)
Johannes Kepler wurde am 27. Dezember 1571 in Weil geboren. Er studierte ab 1589 Theologie am Evangelischen Stift in Tübingen und absolvierte nebenbei ein breit angelegtes Generalstudium, das auch die Mathematik und Astronomie umfasste. Einer seiner Lehrer war der Mathematiker und Astronom Michael Mästlin, der ihn auch mit dem copernicanischen Weltmodell vertraut machte, das er fortan verteidigte. 1596 erschien sein Werk Mysterium cosmographicum, in dem er das copernicanische System mit den fünf platonischen Körpern verknüpfte. Tycho Brahe wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn 1600 unter Kaiser Rudolph II nach Prag. Nach Brahes Tod wurde Kepler Hofmathematiker und arbeitete weiter an den Rudolfinischen Tafeln, einem Sternkatalog, mit dem der Kaiser zunächst Brahe beauftragte. In Prag und ab 1912 in Linz konnte Kepler auch weiter an seinen eigenen astronomischen Werken arbeiten. Er verfasst das Werk De Stella Martis (1609), in dem er die Anziehungskraft zwischen Erde und Mond nachweist und erfindet 1611 erfindet das astronomische Fernrohr. Brahes akribische Beobachtungsdaten kann er nutzen, um seine eigenen Theorien zu verbessern und zu beweisen. In der Astronomia nova (1609) und der Harmonices mundi (1619) veröffentlichte er seine drei Keplerschen Gesetze, welche die Astronomie nachhaltig prägen sollten. Zwischen 1618 und 1621 verfasste er den Abriss der kopernikanischen Astronomie – das erste Lehrbuch des heliozentrischen Weltmodells. Von schweren Schicksalsschlägen gebeutelt verstarb Kepler am 15. November 1630 verarmt in Regensburg.

 


 

Porträt Andreas Reyher

Andreas Reyher. FBG, Theol-4-00963-964_001.

Andreas Reyher (1601–1673)
Mitte des 17. Jahrhunderts war auch das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg ein vom Dreißigjährigen Krieg gebeuteltes Land. Es herrschten Armut, Not, Krankheiten und Bevölkerungsschwund. In allen Lebensbereichen brauchte es Menschen, die anpacken konnten, die mitdenken, aber auch praktische Ergebnisse vorweisen konnten. Herzog Ernst der Fromme erkannte das und holte sich renommierte Gelehrte an den Hof, die ihn beim Wiederaufbau und der Neustrukturierung des Landes unterstützen sollten. Auch dem Pädagogen Andreas Reyher machte er 1640 ein Angebot, das dieser nicht abschlagen konnte: In Zeiten, in denen ein regelmäßiger Unterricht kaum möglich schien, sollte er als Rektor des Gothaer Gymnasiums und Berater des Herzogs in pädagogischen Fragen das Schulwesen des Landes neu organisieren. In dieser Funktion machte er als einer der ersten Pädagogen auch die Astronomie zum Unterrichtsinhalt an Elementarschulen, lehrte die Weltmodelle und forderte seine Schüler zu einer objektiven Auseinandersetzung mit dieser Wissenschaft auf. Auch ohne Astronom im engeren Sinne zu sein, wurde Reyher damit zu einer wichtigen Figur der Astronomie in der Frühen Neuzeit. weiterlesen

 


 

Porträt Johannes Hevelius

Johannes Hevelius. FBG, Math 2° 38/1a, Kupfertitel (Ausschnitt).

Johannes Hevelius (1611–1687)
Johannes Hevelius gilt als der Begründer der Kartografie des Mondes. Der 1611 in Danzig geborene Astronom studierte zunächst Rechtswissenschaft in Leiden und ließ sich dann auf Wunsch seines Vaters in seiner Geburtsstadt als Brauer nieder. Nach dem Tod des Vaters widmete er sich zunehmend seinem Interesse für die Astronomie. Er errichtete in Danzig eine Sternwarte, die sowohl mit hochpräzisen Winkelmessinstrumenten ohne Fernrohr, wie Quadranten und Sextanten großer Dimensionen, als auch großen Fernrohren ausgestattet war. Der erste Teil seines Werkes Machina coelestis gibt deren ausführliche Beschreibung und bildliche Darstellung mit Hinweisen zu ihrem Aufbau und ihrer Handhabung. Das Buch nimmt eine bedeutende Stellung in der Geschichte der Instrumentenliteratur ein.

Die Winkelmessinstrumente von Hevelius gewährleisteten eine bis dahin unerreichte Präzision der Ortsbestimmung der Sterne. Der von ihm zusammengestellte Sternkatalog stellt einen deutlichen Fortschritt unserer Kenntnisse des gestirnten Himmels dar. Dies war vor allem deshalb sehr wichtig, weil Ortsbestimmungen von Planeten und Kometen erfolgten, indem ihr Abstand von nahestehenden Sternen gemessen wurde. Dies ermöglichte die Berechnung ihrer Position am Himmel, deren Genauigkeit direkt von der Genauigkeit der Position der herangezogenen Sterne sein konnte. Die Messungen für den Sternkatalog erfolgten mit bloßem Auge, da das Fernrohr noch nicht als Präzisionsinstrument verwendet werden konnte.

Die großen Fernrohre mit Brennweiten von bis zu etwa 45 Metern verwendete Hevelius vor allem zur Beobachtung der Oberflächen der Sonne, der Planeten, Kometen und des Mondes. An der Sonne beobachtete er die veränderliche Erscheinung der Flecke, an den Planeten den Ring des Saturn, die Sichelgestalt der Venus und andere Erscheinungen, an den Kometen die Struktur des Kopfes und der Schweife, am Mond die „Berge und Täler“.
Hevelius wurde in seiner Arbeit durch seine Ehefrau Elisabeth, geb. Koopmann, unterstützt.

 


 

Porträt Erhard Weigel

Porträt Erhard Weigel, via wikimedia commons, Weigel-Gesellschaft Jena

Erhard Weigel (1625–1699)
Erhard Weigel war Astronom, Pädagoge und Erfinder. Als seinerzeit beliebtester Mathematik-Professor der Jenenser Universität lockte er mit seinen unkonventionellen Lehrmethoden und seiner Kreativität einst die Studenten in Scharen in seine Vorlesungen, sogar Gottfried Wilhelm Leibniz verbrachte nur seinetwegen ein Semester in Jena. Deshalb kann Erhard Weigel getrost als Jenaer Phänomen des 17. Jahrhunderts betrachtet werden. Er war Dekan der Philosophischen Fakultät und dreimal Universitätsrektor. Als Oberbaumeister und tüftelnder Erfinder prägte er das Jenaer Stadtbild mit. Sein Wohnhaus, ausgestattet mit allerlei Kuriositäten und Innovationen, mit Werkstätten und einer vorbildhaften Lehr- und Tugendanstalt, gehörte einmal zu den „Sieben Wundern“ Jenas. Heute ist jedoch kaum mehr etwas übrig von der einstigen „Weigelmanie“. Immerhin wurde vor einigen Jahren am ehemaligen Collegium Jenense eine kleine Namenstafel angebracht und seit 2003 gibt es auch eine Erhard-Weigel-Gesellschaft, die sich für das wissenschaftliche Andenken an Weigel engagiert; mittlerweile hat er sogar einen Twitter-Account. So richtig angekommen ist Weigel trotzdem nicht in den Köpfen. Und das, obwohl wir an jedem einzelnen Tag unmittelbar mit einem seiner Verdienste leben: Nicht zuletzt ihm verdanken wir es nämlich, dass es in Deutschland nach einem Jahrhundert kalendarischer Verwirrung und Auseinandersetzungen wieder zu einer einheitlichen Kalenderführung kam. weiterlesen