Astronomie & Poesie


Porträt Andreas Gryphius, via wikimedia commons

Porträt Andreas Gryphius, via wikimedia commons

Andreas Gryphius (1616–1664) war einer der bedeutendsten Dichter der Barockzeit, der große Sonnette und Dramen verfasste, aber auch kurze Sinngedichte, sogenannte Epigramme. Einige dieser Sinngedichte zeigen, dass sich Gryphius mit der Astronomie auseinandersetzte und den wissenschaftlichen Diskursen darüber folgte. Schon früh machte ihn sein Danziger Lehrer – der bedeutende Astronom Peter Crüger (1580–1639), der auch Johannes Hevelius zu seinen Schülern zählte – mit den aktuellen astronomischen Debatten vertraut. Seitdem war er scheinbar von der Richtigkeit des neuen heliozentrischen Weltbildes überzeugt. Das zeigt sich unter anderem in seinem Epigramm Uber Nicolai Copernici Bildt, das Gryphius erstmals 1643 in Leiden veröffentlichte. Er poetisiert darin das copernicanische Weltbild und preist Copernicus als einen Helden, der sich nicht von dem Offensichtlichen, der reinen Sinneswahrnehmung blenden ließ. Auch in den beiden Gedichten Uber die Himmels Kugel und Uber die Erd-Kugel preist Gryphius die denkerische Leistung des menschlichen Geistes. Er lobt den Forschergeist, der keine Grenzen kennt und in der Lage ist, ein Gebiet zu vermessen, das noch nie ein Körper bezwungen hat. Bedeutsam an Gryphius poetischen Auseinandersetzungen mit der Himmelskunde ist, dass er sich auch als überzeugter Lutheraner keine theologischen Denkverbote setzte, sondern für die Freiheit des Forschens (libertas philosophandi) einstand.

 

Uber Nicolai Copernici Bildt

Du dreymal weiser Geist, du mehr denn grosser Mann! Dem nicht die Nacht der Zeit die alles pochen kan, Dem nicht der herbe Neyd die Sinnen hat gebunden, Die Sinnen, die den Lauff der Erden new gefunden. Der du der alten Träum und Dünckell widerlegt: Und Recht uns dargethan was lebt und was sich regt: Schaw itzund blüht dein Ruhm, den als auff einem Wagen, Der Kreiß auff dem wir sind muß umb die Sonnen tragen. Wann diß was irrdisch ist, wird mit der Zeit vergehn, Soll dein Lob unbewegt mit seiner Sonnen stehn.

 

Uber die Himmels Kugel

Schaw hir des Himmels Bild, diß hat ein Mensch erdacht, Der doch auff Erden saß: O übergrosse Sinnen, Die mehr denn iemand schawt durch forschen nur gewinnen! Soll diß nicht himlisch seyn was selber Himmel macht?

 

Uber die Erd-Kugel

Der Erden rundes Hauß das Vih und Menschen trägt, Ist noch nicht gantz beschawt, doch ist es gantz gemessen. Was nie der Leib bezwang hat doch der Geist besessen. Der Land und Wellen Zill hir, auch abwesend, legt.

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