Ausstellung


HIMMELSSPEKTAKEL
ASTRONOMIE IM PROTESTANTISMUS DER FRÜHEN NEUZEIT

Eine Ausstellung der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt in Zusammenarbeit mit der Physikalisch-Astronomischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Titelblatt aus Stanislaw Lubienieckis "Theatrum Cometicum"

Titelblatt aus Stanislaw Lubienieckis „Theatrum Cometicum“

 

12. April – 21. Juni 2015

Forschungsbibliothek Gotha, Spiegelsaal
Schloss Friedenstein
99867 Gotha

Öffnungszeiten:
dienstags bis sonntags sowie feiertags, jeweils von 10 bis 17 Uhr; am Pfingstmontag, 25. Mai 2015, bleibt die Ausstellung geschlossen.

Ausstellungseröffnung:
11. April 2015, 14 Uhr, Spiegelsaal der Forschungsbibliothek Gotha

 

 

Mit Herzog Ernst I. dem Frommen und Ernst II. wurde das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg einst von zwei Astronomie-begeisterten Herrschern geführt, die nicht nur Interesse an eigenen Himmelsbeobachtungen hatten, sondern auch aktiv die Entwicklung der Astronomie als Wissenschaft förderten. So verwundert es nicht, dass sich in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt noch heute ein umfassender Bestand an astronomischen Schriften befindet, darunter mit persönlichen Widmungen versehene Bände bekannter Astronomen wie Tycho Brahe, ein umfangreicher Schriftverkehr zwischen Gothaer Gelehrten und Astronomen oder auch Schriften des Gothaer Pädagogen Andreas Reyher, der als einer der ersten einen grundständigen Unterricht der Astronomie auch an den Elementarschulen einführte.

Die Ausstellung soll anhand dieses Bestands auf allgemeinverständliche Weise die Veränderung des Weltmodells im frühen Protestantismus veranschaulichen, die durch die kopernikanische Revolution ausgelöst worden ist. Zahlreiche Ereignisse am Himmel wie Kometenerscheinungen, das Auftauchen neuer Sterne, die Entdeckung der Sonnenflecken, Mondlandschaften und Jupitermonde stellten im 16. und 17. Jahrhundert das alte geozentrische Weltmodell zunehmend in Frage. Durch ein stärkeres Achten auf die Phänomene, die dank der neuen astronomischen Instrumente auch immer besser „gesehen“ werden konnten, kam es nach und nach zur Etablierung des heliozentrischen Weltmodell, das bis heute seine unbestrittene wissenschaftliche Gültigkeit behalten hat. Die Ausstellung soll die Entwicklungen veranschaulichen, die dieser Umbruch mit sich brachte. Hierfür werden die seinerzeit diskutierten Weltsysteme von Ptolemäus, Kopernikus und Tycho Brahe anschaulich erklärt. Neben den europaweit bekannten Astronomen wie Galileo Galilei, Johann Kepler und Johannes Hevelius sollen insbesondere protestantische Astronomen aus dem mitteldeutschen Raum wie Caspar Peucer, Andreas Reyher und Erhard Weigel präsentiert werden. Es soll auch gezeigt werden, wie eng Astrologie und Astronomie mit der Theologie und einer bestimmten Lesart der Bibel in Wechselwirkung standen und wie groß anfänglich die Vorbehalte gegenüber dem heliozentrischen Weltmodell selbst bei Astronomen und Physikern waren. Die Ausstellung soll jedoch nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern die Bedeutung der praktischen Astronomie für das alltägliche Leben verdeutlichen. Wie maß man die Zeit? Welche Auswirkungen hatte die julianisch-gregorianische Kalenderreform? Wie verwendete man ein Astrolabium?
Aus der umfangreichen Sammlung der Forschungsbibliothek Gotha wird eine repräsentative Auswahl von Handschriften, Alten Drucken, Briefen und Himmelsgloben gezeigt. Die Ausstellung wird durch einige astronomische Instrumente (Winkelmesser, Fernrohr, Quadrant etc.) ergänzt, die leihweise von der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha sowie weiteren Institutionen wie der FSU Jena zur Verfügung gestellt werden.