Sektion 1: Die Erde steht still

Mit der Vorstellung der Erde als fixer, runder Körper, um den sich die Sonne und die Planeten drehen, versuchten sich die Menschen schon seit der griechischen Antike das zu erklären, was sie mit bloßem Auge am Himmel beobachten konnten. In Aristoteles‘ geozentrischem System bestand die Welt dabei aus einer dem Wandel unterliegenden Sphäre unterhalb des Mondes (sublunar) und einer kugelförmigen, gleichmäßig rotierenden, unveränderlichen Sphäre oberhalb des Mondes (supralunar). Claudius Ptolemaios passte dieses Modell soweit an, dass es auch jene Himmelserscheinungen „rettete“, die mit dem aristotelischen Modell bisher nicht erklärbar waren. Dafür verrückte er die weiterhin feststehende Erde ein wenig und bestimmte die Planetenbewegungen neu. Dieses geozentrische Weltsystem des Ptolemaios wird weit mehr als ein Jahrtausend lang bestimmend sein.

Weltbild des Ptolemaios in Andreas Cellarius: Harmonia macrocosmica.

Weltbild des Ptolemaios in Andreas Cellarius: Harmonia macrocosmica. Amsterdam 1660.
FBG, Math. gr.2° 60/4, pars prior, zwischen S. 8-9 eingebunden.

 


 

Claudius Ptolemaios. Almagestum.

Claudius Ptolemaios. Almagestum. Venedig 1515.
FBG, Mon.typ 1515 2° 5

Der Almagestum des griechischen Gelehrten Claudius Ptolemaios (ca. 85–165) ist das zentrale Werk für das geozentrische Weltmodell von der Antike bis zur Frühen Neuzeit. Die eigentliche Innovation besteht dabei in einer neuartigen Planetentheorie, mit der die Phänomene, wie sie am Himmel beobachtet werden konnten, in Einklang gebracht werden sollten. Dazu führte Ptolemaios Hilfspunkte wie den sogenannten Äquanten ein, um an der Kreisform der Bahnen festhalten zu können, auf denen sich die Himmelskörper bewegen.

 

 

Johannes Regiomontanus. Epytoma in Almagestum Ptolomaei.

Johannes Regiomontanus. Epytoma in Almagestum Ptolomaei. Venedig 1496.
FBG, Mon.typ 1496 2° 2, S. a3v.

Die Wirkmächtigkeit von Ptolemaios’ Almagestum belegen die vielen Kommentare, die bis ins 16. Jahrhundert hinein verfasst wurden. Johannes Regiomontanus (1436–1476), ein Schüler des bekannten Astronomen Georg von Peurbach (1423–1461), vollendete 1463 einen kommentierten Auszug aus dem griechischen Original. Der Holzschnitt zeigt eine Armillarsphäre mit dem Tierkreis (Ekliptik) und dessen Pol. Darunter sitzen Ptolemaios (links) und Regiomontanus (rechts).

 

Tabulae Alphonsinae sic dictae ab inventore Rege Alphonso X

Unbekannt. Tabulae Alphonsinae sic dictae ab inventore Rege Alphonso X. 24 Bl. Süddeutschland. 1482 [?]. FBG, Memb. I 109, Bl. 20v-21r.

Diese prachtvolle Pergamenthandschrift entstand vermutlich im 15. Jhd. in Süddeutschland und bietet eine lateinisch-deutsche Fassung der berühmten Alfonsinischen Tafeln, die zwischen 1263 und 1272 auf Veranlassung des Königs von Kastilien, Alfons X. der Weise, verfasst worden sind. Mit ihnen ließen sich genauer als zuvor die Läufe von Sonne, Mond und anderen Planeten berechnen. Gezeigt werden die Mondtabelle und ein Zeiger zur Berechnung der Mondphasen.

 

 

Petrus Apian. Ein kurtzer bericht der Observation unnd urtels / des Jüngst erschinnen Cometen.

Petrus Apian. Ein kurtzer bericht der Observation unnd urtels / des Jüngst erschinnen Cometen. Ingolstadt 1532. FBG, Math 4° 145/3 (10), Titelholzschnitt.

Der aus der Nähe von Leipzig stammende Petrus Apian (1495–1552) wirkte seit 1526 als Mathematikdozent im katholischen Ingolstadt. Seine Leistung als Astronom ist eng mit der genauen Beobachtung von insgesamt fünf Kometen verbunden, die in den Jahren 1531 (der stetig wiederkehrende Halley‘sche Komet), 1532, 1533, 1538 und 1539 für Aufsehen sorgten. Dabei entdeckte er, dass der Kometenschwanz sich immer von der Sonne abgewendet zeigt. Der Holzschnitt zeigt den Verlauf des Kometen von 1532 durch die Sternzeichen Skorpion, Waage und Jungfrau.

 

 

 

Petrus Apian. Astronomicum Caesareum

Petrus Apian. Astronomicum Caesareum. Ingolstadt 1540. FBG, Math. gr.2° 38/2, S. G3v-G4r.

Das Astronomicum Caesareum von Petrus Apian gilt als das aufwendigste und schönste astronomische Werk, das je gedruckt wurde. Es ermöglicht die präzise Ermittlung der Positionen von Sonne, Mond und Planeten mittels beweglicher Scheiben, die übereinanderliegen bzw. exzentrisch zueinander angeordnet sind. Gezeigt wird links der Drachenzeiger, der die Position der Mondknoten in der Ekliptik anzeigt. Beim Gothaer Exemplar handelt es sich um ein Geschenk des dänischen Astronomen Tycho Brahe an Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar.