Sektion 3: Im Bann des Himmels

Der Himmel zog im 16. und 17. Jhd. nicht nur die Astronomen, sondern auch die Astrologen in seinen Bann. Aufgabe der letzteren war es, die Planeten- und Sternenkonstellationen zu deuten und persönliche Horoskope für den einzelnen zu erstellen. Die weissagende Astrologie blieb dabei jedoch umstritten. Insbesondere forderten ungewöhnliche Himmelserscheinungen wie Nebensonnen und Kometen die Deutungskunst einer religiös aufgeheizten Zeit heraus. Der Himmel verursachte schließlich auch eine Kalenderreform, da der seit 45 v. Chr. geltende Julianische Kalender immer größere Abweichungen zum astronomischen Jahr sowie eine fehlerhafte Berechnung des Frühlingsvollmondes, von dem die Datierung des Osterfestes abhing, aufwies. 1582 ordnete daher Papst Gregor XIII. für die katholischen Länder eine Kalenderreform an, die in den protestantischen Ländern jedoch als Versuch der Einflussnahme des Papstes abgelehnt wurde.

 

 

Johann Mattenberg. Sammlung von Horoskopen

Johann Mattenberg. Sammlung von Horoskopen als Teil einer astrologischen Vorlesung [ca. 1569 in Wittenberg (?)]. FBG, Chart. B 495, Bl. 296r-306v, hier Bl. 296r.

Der Gothaer Ratsherr und Arzt Johann Mattenberg (1550–1631) hat diese Mitschrift einer Vorlesung während seines Studiums in Wittenberg angefertigt, das unter Melanchthon und Caspar Peucer (1525–1602) ganz im Bann der Astrologie stand. Im Anhang findet sich eine Sammlung von 130 Horoskopen, die als Exempel für die eigene Arbeit als Astrologe dienten. Unter anderem finden sich Horoskope für König Eduard VI. von England (1537–1553), den Humanisten Joachim Camerarius (1500–1574) und den Wittenberger Reformator Paul Eber (1511–1569).

 

 

 

Johannes Kepler Tertius interveniens

Johannes Kepler. Tertius interveniens. Frankfurt/Main 1610. FBG, Math 4° 156b/5 (1), Titelblatt.

In einem Streit um die Funktion der Astrologie zwischen Gelehrten nahm Kepler eine vermittelnde Position ein, indem er zwischen ihrem Gebrauch und Missbrauch zu unterscheiden versuchte. Obwohl er eingestand, dass die Astrologie keinen unfehlbaren Beweis für die Richtigkeit ihrer Deutungen geben könne, beruhe sie dennoch auf vernünftigen Mutmaßungen, die zwar nicht zur detaillierten Vorhersage bestimmter Geschehnisse geeignet sind, sehr wohl aber zur Bestimmung gewisser Tendenzen und Möglichkeiten im Rahmen der uns geläufigen Welt.

 

 

Die Schreibkalender, die als Informations-, Unterhaltungs- und Bildungsmedien, aber auch als chronologische Hilfsmittel für alle Schichten der Frühen Neuzeit galten, waren eng mit der Astronomie verbunden. So gibt auch Johannes Fülle (ca. 1577–1668), der überwiegend in Plauen (Sachsen) wirkte, astrologische Deutungen der Planetenkonstellationen, aber auch Ratschläge für alle Lebensbereiche, so z.B., wann ein Aderlass oder das Haareschneiden günstig sei. Hinzu kamen Daten von Jahrmärkten, christlichen Festtagen sowie historischen Ereignissen.

Johannes Fülle. Der grosse Alte und Newe Schreib-Calender

Johannes Fülle. Der grosse Alte und Newe Schreib-Calender dieses Jahrs. Zwickau 1637. FBG, Math 4° 177/3 (2), Bl. B4v.

Johannes Fülle. Der grosse Alte und Newe Schreib-Calender Legende

Johannes Fülle. Der grosse Alte und Newe Schreib-Calender dieses Jahrs. Zwickau 1637. FBG, Math 4° 177/3 (2), Bl. B2v.