Sektion 4: Der Astronomenkönig

Der dänische Astronom Tycho Brahe (1546–1601) brachte mit dem nach ihm benannten tychonischen Weltsystem ein Modell in die Astronomie der Frühen Neuzeit ein, das eine Zwischenstellung zu dem ptolemaiisch-geozentrischen und dem copernicanisch-heliozentrischen darstellte. Danach ruht die Erde weiterhin im Zentrum des Universums und wird von der Sonne und dem Mond umkreist. Alle anderen Planeten wiederum bewegen sich um die Sonne. Mit dieser Idee, die Brahe auf seine unzähligen Beobachtungen mit zum Teil eigens dafür gefertigten Instrumenten stützte, ließen sich bisher unergründete Himmelsphänomene erklären, ohne dabei in Widerspruch zum damals noch vorherrschenden Geozentrismus zu treten. Seinerzeit war Brahe ein gefeierter Wissenschaftler, ein Star der Astronomie, dessen akribische Aufzeichnungen später Johannes Kepler als Grundlage für seine bahnbrechenden Entdeckungen dienten.

Porträt_Tycho Brahe

Porträt von Tycho Brahe. Aus: Stellarum octavi orbis inerrantium accurata restitutio. FBG, Memb-I-00110_001v.

Tycho Brahe und sein Mauerquadrant

Tycho Brahe und sein Mauerquadrant. Abbildung aus „Astronomiae Instauratae Mechanica“. FBG, Math-2-00056-21_A4v-A5r

In seiner „Astronomiae Instauratae Mechanica“ (s. Abb. oben), das mit einer persönlichen Widmung Brahes an Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar (1562–1602) versehen ist, stellte Tycho Brahe der Fachwelt seine Bauten und Instrumentarien vor, die er für seine Beobachtungen auf der Insel Hven entwickelt hatte. Brahe beschrieb dabei detailliert, wie die Geräte zu bauen sind und welchen Nutzen sie haben.

 

Tycho Brahe. Stellarum octavi

Tycho Brahe. Stellarum octavi orbis inerrantium accurata restitutio. Wandsbek 1598. FBG, Memb. I 110, Bl. 16v.

Tycho Brahe Stellarum octavi

Tycho Brahe. Stellarum octavi orbis inerrantium accurata restitutio. Wandsbek 1598. FBG, Memb. I 110, Bl. 17r.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die praktische Tätigkeit führte Brahe zu sehr genauen Beobachtungen der Planeten und Kometen sowie zur Herstellung eines neuen Sternkatalogs. Präzise Sternörter waren von grundlegender Bedeutung, da die Positionen von Planeten und Kometen durch Abstandsmessung von Sternen und nachfolgender Dreiecksberechnung bestimmt wurden. Brahes Katalog umfasst 1.000 Sterne, in der Reihenfolge Tierkreissternbilder, Sternbilder des nördlichen und des südlichen Sternhimmels angeordnet. Die Abbildungen oben zeigen Aufzeichnungen für das Sternbild Cassiopeia mit Längen- und Höhenangabe.