Sektion 5: Die Erde bleibt im Mittelpunkt

Das tychonische Weltmodell fand auch bei den Jesuiten starken Zuspruch. In diesem System fanden sie jenen Kompromiss, der die neuen astronomischen Erkenntnisse mit den Dogmen und Äußerungen der Bibel sowie der als normativ angesehenen aristotelischen Naturphilosophie in Einklang zu bringen vermochte. Dem römisch-katholischen Orden gehörten bedeutende Astronomen wie Christophorus Clavius (1538–1612), Christoph Scheiner (1573–1650), Giovanni Battista Riccioli (1598–1671) und Athanasius Kircher (1602–1680) an. Bemerkenswert ist, dass die Jesuiten am chinesischen Kaiserhof das heliozentrische Planetensystem lehrten. In der praktischen Astronomie sind ihre Leistungen in der Gnomonik, Horologie und Kalenderrechnung zu erwähnen. Ferner gehen zahlreiche Erfindungen und Weiterentwicklungen – wie die Konstruktion des ersten Spiegelteleskops durch Niccolò Zucchi (1586–1670) – auf die Jesuiten zurück.

Giovanni Battista Riccioli. Almagestum novum

Giovanni Battista Riccioli. Almagestum novum. Bologna 1651. FBG, Math. 2° 37/2 (1,1/2), Frontispiz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In einem facettenreichen Bildprogramm erzählt dieser Kupferstich den Stand der astronomischen Debatten um 1650 aus Sicht von Giovanni Battista Riccioli. Im Mittelpunkt stehen die beiden neuen Weltmodelle – das heliozentrische von Copernicus (links) und das hybride, an Brahe angelehnte Modell (rechts) –, die von Astrea, Göttin der Gerechtigkeit, gewogen werden. Dabei schlägt die Waage zugunsten von Brahes System aus, das als überzeugender ausgewiesen wird. Das alte Weltmodell von Ptolemaios ist nicht mehr Gegenstand der Debatten.