Sektion 6: Gelehrte Netzwerke

Die Astronomen der Frühen Neuzeit standen in ständigem Kontakt zueinander und bildeten ein weit verzweigtes Gelehrtennetzwerk, über das sie miteinander korrespondierten und sich regelmäßig über die neuesten Beobachtungen und Erkenntnisse austauschten. So standen die Jesuiten, die stark in China und Indien missionierten und dort auch Astronomie betrieben, beispielsweise in Kontakt mit Johannes Kepler und Tycho Brahe in Prag sowie mit Galileo Galilei in Padua. In der Gelehrtenrepublik blieben Astronomen und Mathematiker jedoch nicht unter sich. Sie korrespondierten mit Reformatoren, Herzögen und anderen Gelehrten, mit Kritikern und Befürwortern, und konnten somit ihre astronomischen Fragestellungen und Thesen aus unterschiedlichen Perspektiven und Disziplinen heraus diskutieren.

 

Johannes Kepler. Brief an Stephan Gerlach

Johannes Kepler. Brief an Stephan Gerlach. Prag, 08./18. Juli 1609. FBG, Chart. A 407, Bl. 282r-v, hier: Bl. 282r.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgrund seiner Tätigkeit als Lehrer in Linz und Graz war Johannes Kepler (1571–1630) vom universitären Diskurs abgeschnitten. Umso wichtiger waren die brieflichen Kontakte. Nachhaltiger als seine Korrespondenz mit Galileo Galilei war jene mit seinem ehemaligen Tübinger Professor, dem lutherischen Theologen Stephan Gerlach (1546–1612). Der vorliegende Brief war Teil einer Paketsendung, mit der Kepler verschiedene Schriften an Gerlach übersendete, die sich mit der Kalenderreform auseinandersetzten, deren strikter Befürworter er war.