Sektion 7: Sternenbote und Mathematicus

Das neue heliozentrische Weltsystem fand auch im 17. Jahrhundert wenige Anhänger unter den Gelehrten. Neben ernsthaften wissenschaftlichen Zweifeln gab es vor allem im Blick auf Josua 10,12f. theologische Bedenken: Man leugnete den Wahrheitsgehalt dieses Modells, betonte stattdessen den hypothetischen Charakter der Astronomie und forderte die Verfechter zur Zurückhaltung auf. Wer dem nicht folgte, konnte Probleme bekommen. So erhielt Johannes Kepler hierzulande keine Professur an einer lutherischen Universität und Galileo Galilei wurde in Italien schließlich zum Widerruf seiner Ansichten gedrängt und unter Hausarrest gestellt. Beide Astronomen haben mit ihren Experimenten, Beobachtungen und Berechnungen gleichwohl gezeigt, dass das neue Modell die Planetenbewegungen am besten beschreibt. Dabei gingen beide von der bahnbrechenden Erkenntnis aus, dass die physikalischen Bedingungen auf der Erde auch im Weltall gelten.

Porträt_Galilei

Porträt Galileo Galilei. FBG, Math-4-00011-01-01.

Selbstporträt Johannes Kepler

Selbstporträt Johannes Kepler. FBG, Math-2-00050-02, Kupfertitel Ausschnitt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sternenbote_Galileo Galilei SidereusNuncius

Galileo Galilei.
Sidereus Nuncius [1610]. In: Opere di Galileo Galilei. 3 Bände. Florenz 1718.
FBG, Math. 4° 11/1, hier: Bd. 2, S. 12.

Galileo Galilei war vermutlich der erste Gelehrte, der das gerade erfundene Fernrohr auch gen Himmel richtete. Das eröffnete ihm eine neue Dimension der Himmelsbeobachtung: Plötzlich war die Beschaffenheit der Mondoberfläche genauer zu sehen. Er entdeckte, dass die Milchstraße aus einer Vielzahl von Sternen unterschiedlicher Leuchtkraft besteht und dass der Jupiter von Monden begleitet wird. Seine Entdeckungen veröffentlichte er 1610 in der Schrift Sternenbote, die ihn über Nacht berühmt machte.

 

 

 

 

Sternenbote_Johannes Kepler. Prodromus dissertationum cosmographicarum, continens mysterium cosmographicum.

Johannes Kepler.
Prodromus dissertationum cosmographicarum, continens mysterium cosmographicum. Tübingen 1596.
FBG, N 8° 5023 (5), Tabula III nach S. 24.

Das Weltgeheimnis ist Johannes Keplers erstes großes Werk. Er bekannte sich darin zum heliozentrischen Weltsystem und ordnete die Planeten den fünf regelmäßigen geometrischen Figuren zu. Durch diese Schrift wurde Tycho Brahe auf Kepler aufmerksam. Er stellte ihn in Prag als Assistenten an und beauftragte ihn mit der Bearbeitung seiner Mars-Beobachtungen.

 

 

 

 

 

Sternenbote_Johannes Kepler. Harmonices mundi libri V

Johannes Kepler.
Harmonices mundi libri V. Linz 1619.
FBG, Math. 2° 19/1, Figuren zwischen S. 58/59.

In seinem 1619 erschienen Werk Weltharmonik versuchte Kepler, die Disziplinen Geometrie, Musik, Astronomie und Astrologie unter dem Begriff der „Harmonie“ zu vereinen, die für ihn das kosmische Prinzip schlechthin war. Zudem stellt er darin das nach ihm benannte dritte Keplersche Gesetz auf, mit dem sich nicht nur die Umlaufzeiten der Planeten errechnen lassen, sondern sogleich auch das Verhältnis ihrer Abstände zur Sonne – eine bahnbrechender Schritt, der später zur Grundlage des Newtonschen Gravitationsgesetzes wird.