Sektion 8: Himmelsspektakel und die Macht der Bilder

Die Astronomie versteht es wie kaum eine andere wissenschaftliche Disziplin, das Auge zu fesseln – das gilt zum einen für die am Himmel beobachtbaren Phänomene und zum anderen für die Darstellung des Gesehenen in Handschriften und Drucken. Gleichzeitig revolutionierte die Astronomie das Sehen an sich, indem sie astronomische und optische Geräte nutzte, die als „Verlängerung“ des Auges bisher Ungesehenes sichtbar machten, und zu einer neuen Sicht auf die Welt und zu einem Schauen hinter das Offensichtliche aufforderte. Die zahlreichen Abbildungen in den astronomischen Werken der Frühen Neuzeit waren deshalb nicht nur rein fachlicher und ästhetischer Natur. Sie erfüllten auch einen klaren pädagogischen Zweck, nämlich die Menschen in diesem neuen Sehen zu schulen.

So bieten zahlreiche Titelillustrationen und Kupferstiche aus den Büchern des 17. Jahrhunderts noch heute eine wahre Schatztruhe des Wissens. Die zum Teil prächtig kolorierten Abbildungen boten den Autoren die Möglichkeit, ihre eigenen Anschauungen und Überzeugungen zu visualisieren, ihr Können zu präsentieren und sich in der Tradition der Astronomiegeschichte zu verorten, die gerade so starke Umbrüche erlebte. Oft ging es aber auch darum, den eigenen Glauben zu verdeutlichen. Gerade Himmelsspektakel wie Kometen, Supernovae, Sternbilder, Mondkrater und Sonnenflecken forderten geradezu eine bildliche Darstellung, wurden damit sprichwörtlich „vom Himmel geholt“ und dadurch mehr Menschen zugänglich gemacht. Hevelius, Riccioli und Stanisław Lubieniecki führten diese intellektuell anregenden Bildprogramme zu einer wahren Meisterschaft.