Sektion 9: Der christliche Sternhimmel

Schon seit dem Mittelalter störten sich immer wieder Gelehrte an den heidnischen Bezeichnungen der Sternbilder. Hin und wieder gab es deshalb zaghafte Vorstöße, sie in christliche Motive umzuwandeln, zum Beispiel die Tierkreiszeichen durch die zwölf Apostel oder den Schwan durch das Kreuz Christi zu ersetzen. Doch erst 1627 kam es durch den Augsburger Augustinermönch Julius Schiller zu einer konsequenten Umwandlung der Sternbilder in einen „Christlichen Sternhimmel“. Schiller schuf 54 Sternbilder, behielt dabei aber die bewährten Sternkonstellationen bei, die der Augsburger Jurist Johann Bayer zuvor in seiner Uranometria beschrieb. Die heidnischen Sternbilder hatten sich jedoch längst als Kulturgut und alltägliche astronomische Begrifflichkeiten etabliert, sodass sich Schillers Idee des christlichen Himmelsatlas bei seinen Zeitgenossen nicht durchsetzen konnte und ein kurzlebiges Phänomen blieb.

 

Sternbild Cassiopeia in Johannes Bayers Uranometria

Sternbild Cassiopeia in Johannes Bayer. Uranometria, omnium asterismorum continems schemata. Augsburg 1603. FBG, Math 2° 60/1, tab. 10, K1v-K1r.

Sternbild Maria Magdalena. In: Julius Schiller. Coelum stellatum christianum

Sternbild Maria Magdalena. In: Julius Schiller. Coelum stellatum christianum. Augsburg 1627. FBG, Math 2° 60/3, S. 49.

Die hier gezeigten, sehr detaillierten und kunstvollen Abbildungen sind Darstellungen derselben Sternkonstellation, jedoch mit einer jeweils anderen Bezeichnung und künstlerischen Auslegung. Während Johann Bayer (1572–1625) das Sternbild Cassiopeia in seiner traditionellen Darstellung und heidnischen Bezeichnung zeigte, deutete Julius Schiller (?–1627) es in ein christliches Sternbild der Maria Magdalena um und stellte es dafür spiegelverkehrt dar. Im Zentrum beider Bilder steht ein heller Stern, der die Supernova von 1572 symbolisiert.